über 10.000 verkaufte Exemplare!

ab 12 Jahren, 3. Auflage 2019
224 Seiten, 12.5 x 19.5 cm
ISBN 978-3-7432-0121-7
Broschur mit Spotlack
6,95 € (D)
7,20 € (A)

Hier sofort und versandkostenfrei „autorinnenfreundlich“ bestellen:

https://shop.autorenwelt.de/products/instagirl-von-annette-mierswa?variant=1516089802758

Es gibt eine Lehrerhandreichung vom Verlag!!!

Die Gefahren sozialer Netzwerke

Schöner, schlanker, außergewöhnlicher – koste es was es wolle! Immer mehr Jugendliche verlieren sich in der konstruierten Realität der verschiedenen Social Media-Plattformen. Autorin Annette Mierswa widmet sich in Instagirl einer davon: Instagram. Sie zeigt die Schattenseiten der Community auf und macht auf mögliche Gefahren aufmerksam. Ideal für die kritische Auseinandersetzung mit den Dynamiken sozialer Medien!

Isis Welt bricht zusammen, als ihre Eltern sich plötzlich wie aus heiterem Himmel trennen. Um an dieser familiären Katastrophe nicht zu zerbrechen, flüchtet sie sich  in die Plattform „Instagram“. Mit Hilfe der beliebten Kim kreiert sie sich dort ein neues Selbst und sieht mit ihrer Follower-Zahl auch blitzartig ihr Selbstwertgefühl wachsen. Jedoch kapselt sich Isi komplett von ihren besten Freunden ab, um vollkommen in Kims scheinbar perfekte Influencer-Blase einzutauchen. Doch als Kims Jagd nach immer außergewöhnlicheren Selfies von Tag zu Tag skrupelloser wird, sieht Isi plötzlich ihr Leben bedroht …

In Instagirl setzt sich Annette Mierswa ohne erhobenen Zeigefinger aber gleichwohl kritisch mit der Plattform „Instagram“ auseinander und zeigt, wie die Nutzung von Social Media das eigene Selbstbild verzerren kann. Dabei wird deutlich, welche fatalen Auswirkungen auf die Psyche die Messung des eigenen Selbstwertes an der Online-Beliebtheit haben kann. Durch ihren einfühlsamen und zielgruppennahen Schreibstil gelingt es der Autorin, das Interesse der jugendlichen Leser ab 12 Jahren zu wecken und sie für die Inhalte des Buches zu sensibilisieren. Auch die für Jugendliche relevante und allgegenwärtige Thematik „Soziale Netzwerke“ stellt einen raschen Bezug her und regt zu Diskussionen an.

“Dieses Buch zeigt sehr gut die große Kluft zwischen dem virtuellen glitzernden Schein und dem eher einsamen Sein in der realen Welt.” Andrea Wedan, Buchkultur

https://www.loewe-verlag.de/titel-0-0/instagirl-8869/

Lehrerhandreichung:

https://www.loewe-verlag.de/_files_media/lehrerhandreichungen/8869.pdf

Interview mit dem Loewe-Verlag zum Thema Social Media:

07.03.2019

Soziale Medien als Vehikel zur Selbstentfaltung?

Können „soziale Medien“ noch ein Vehikel für Jugendliche sein, sich zu entwickeln und ihre Persönlichkeit auszuleben – oder muss die Jagd nach Likes zwangsläufig in der Entfremdung enden?  

Die „Jagd nach Likes“ ist sicher nicht förderlich, aber die sog. „sozialen Medien“ haben durchaus auch gute Seiten, die eine Entwicklung der Persönlichkeit unterstützen können. So werden zum Beispiel auch Inhalte geteilt, die persönliche Anliegen enthalten und auf diesem Weg schnell verbreitet werden können, seien es Aufrufe zu gemeinsamem Handeln (z.B. „Friday for Future“), die Bekanntgabe eines Treffpunkts, an dem man dann im „Real Life“ zusammenkommt, die Bitte um Unterstützung (z.B. Fragen zu schulischen Themen), … Das kann auch gemeinschaftsbildend sein. Aber es schwingt natürlich auch immer die Gefahr mit, dass „schwarze Schafe“ negative Impulse setzen, z.B. fiese Kommentare posten. Und ich sehe doch vor allem den sozialen Druck, der entstehen kann. Viele Jugendliche schauen ständig auf ihr Handy, aus Angst, etwas zu verpassen. Dafür gibt es sogar schon einen Ausdruck: FOMO, Fear of Missing Out. Da ist die Gefahr der Selbstentfremdung groß. Es kann wichtiger werden, dem Druck nachzugeben, als auf sein eigenes Gefühl zu vertrauen und auch mal Nein zu sagen. Und wenn vor allem Mädchen sich dazu hinreißen lassen, einem Jungen in naiver Vertrauensseligkeit ein Nacktfoto zu schicken, weil „er es sich gewünscht hat“ und dieses Foto dann online die Runde macht, können die Folgen fatal sein, bis hin zum Suizid. Oder wie in „Instagirl“, wenn die Sehnsucht nach Likes so groß wird, dass dafür sogar das Leben riskiert wird (z.B. für ein Selfie auf Bahngleisen). Dann kann die Jagd nach Likes nicht nur in der Entfremdung, sondern sogar im Tod enden.    Aber so muss es nicht enden….  Isi ist in „Instagirl“ zum Glück in ihrem Kern noch so gesund und hat ein starkes soziales Netz (ihre alte Clique, vor allem Yara, die einst beste Freundin), das sie auffängt, so dass sie am Ende, nach zwei schockierenden Erlebnissen endlich wieder zu sich selbst findet, während Kim schon so sehr in ihrer Abhängigkeit von Likes gefangen ist, dass sie unrettbar verloren scheint.  

Sind es dann am Ende die „echten“, die realen Kontakte, die Menschen wieder auffangen können?  

In meinem nächsten Buch, „Not your Girl“, das im Herbst 2019 erscheint, erzähle ich dann Kims Geschichte, denn es ist mir ein wichtiges Anliegen zu zeigen, dass im Grunde niemand fies geboren wird, sondern es immer (oft tragische) Gründe dafür gibt. So führe ich im neuen Buch die Geschichte über den Zeitpunkt hinaus, zu dem „Instagirl“ endet, und zeige auch für Kims verhängnisvolle Lage einen positiven Ausweg. Auch dieser Ausweg hat mit positiven realen Kontakten zu tun. Denn ich glaube, dass wir Menschen, ob jung oder alt, uns alle nach Gemeinschaft sehnen. Das ist unsere Natur. Und die jungen Menschen versuchen diesem Drang heutzutage auch über die sozialen Medien nachzugehen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ich denke, das Glück ist immer von positiven Kontakten im „Real Life“ abhängig. Kim ist sehr einsam. Sie hat sich vorgenommen, nicht mehr verletzt zu werden, indem sie alle Kontakte in der neuen Klasse (Isis Klasse) abblockt. Aber das macht sie natürlich noch einsamer und unbeliebt. Ein Teufelskreis. Da helfen auch die vielen Likes auf ihrem Insta-Kanal nicht.  

„Es werden fast nur Superlative dargestellt“  

Entfremdend wirkt auch, dass viele Jugendliche aufgrund der unzähligen tollen Bilder das Gefühl bekommen, alle anderen würden ein viel tolleres Leben führen als sie selbst. Dabei stellt kaum jemand sein „echtes“ Leben dar, sondern nur aufpolierte Bilder von den besten Momenten. Wer postet schon ein Bild von sich, mit verheulten Augen, weil der Freund gerade Schluss gemacht hat oder schreibt über Langeweile und Selbstzweifel. Es werden fast nur Superlative dargestellt, mit Filter drüber. Das führt sicher in die Entfremdung, zu Neid, Selbstmitleid und vielleicht auch dazu, die eigenen tiefen Wünsche aus den Augen zu verlieren. Es kann natürlich auch interessante Lebensentwürfe aufzeigen und anregen. Ich will nicht alles verteufeln.  

Liebenswert, gerade wegen unperfekter Seiten  

Der große Traum vieler Jugendlicher ist heute, Influencer zu werden, Botschafter für einen bestimmten Liefestyle.  Das ist ja auch Kims Traum in „Instagirl“. In „Not your Girl“ ändert sich das dann. Aufgerüttelt von übergriffigen Erlebnissen und endlich in echtem, liebevollen Kontakt mit anderen Betroffenen, kann sie am Ende erkennen, dass sie liebenswert ist, gerade wegen ihrer „unperfekten“, ungeschönten Seiten. Denn nur indem sie sich so zeigt, wie sie wirklich ist, mit ihren Verletzungen und Defiziten, kann sie die Herzen der Menschen wirklich gewinnen und sich angenommen fühlen. Das schaffen Likes nicht.   


Worin besteht dann dennoch der Reiz sozialer Netzwerke?   

Ich glaube, ein weiter Aspekt neben den eben ausgeführten ist, dass es immer schwieriger wird, in dieser Welt wirklich wahrgenommen zu  werden. Da alle permanent posten und auf sich aufmerksam machen können, gibt es eine wahre Schwemme an Informationen, Bildern, virtuellen Ausrufungszeichen und Erfolgssymbolen. Da könnte es auch ein Versuch sein, Spuren in der Welt zu hinterlassen, um sich dadurch wirklich existent zu fühlen. Oder wie Kim es in „Instagirl“ nennt: der Körper als Resonanzverstärker, damit die Welt einen sieht, man überhaupt wahrgenommen wird.  

Snapchat Dysmorphie  

Viele wird es auch reizen, sich zu vergleichen und in Wettbewerb zu treten, z.B. in eine Art Schönheitswettbewerb, was leider höchstens narzisstische Impulse unterstützt oder unglücklich macht, wenn die Beurteilungen durch die anderen negativ ausfallen. Es gibt sogar eine neues Phänomen, dass sich umgangssprachlich „Snapchat-Dysmorphie“ nennt, eine Art psychische Erkrankung. Viele Jugendliche posten Selfies nicht mehr ungefiltert. Sie bearbeiten die Bilder bis zur Unkenntlichkeit und eifern dabei oft dem Aussehen ihrer Stars nach. Und anschließend betrachten sie sich im Spiegel und finden sich hässlich, weil sie dem geschönten Bild, das sie gepostet haben nicht entsprechen. Viele Mädchen fangen dann an zu hungern, wie Isi in „Instagirl“, um dem Bild zu entsprechen, das sie von sich in die „Welt“ geschickt haben. Das ist wirklich erschreckend.  

Gab es vor Facebook, Twitter und Instagram schon andere Medien/Möglichkeiten eine potenziell unlimitierte Resonanz, sei es über Likes, geteilte Posts oder Kommentare zu erfahren? Müssen Jugendliche nicht diesem Reiz erliegen? 


 Ich glaube, vor der Möglichkeit der Medien war diese Resonanz auf einen kleineren Kreis beschränkt, auf die Menschen, die man täglich traf (Kinder und Jugendliche vor allem in der Schule oder in Vereinen). Zu meiner Schulzeit war es schon aufregend, einen Artikel für die Schülerzeitung zu verfassen, den „alle“ lesen konnten. Aber es war immer ein „gesunder“ kleiner Kreis, also überschaubar und einigermaßen berechenbar. Man hat sich auf dem Schulhof oder am Baggersee ausgetauscht, in der Clique, in der Disko oder im Verein und eins zu eins am Telefon.   

Eine Frage des Selbstwertgefühls  

Dem Reiz der digitalen Resonanz unterliegen wahrscheinlich vor allem diejenigen, die ein schwächeres Selbstwertgefühl haben, einsam sind oder die diejenigen, die sich gerne in Szene setzen, auffallen wollen. Außerdem wird in Zeiten von Globalisierung der Eindruck erweckt, man müsse seinen Radius viel weiter ausdehnen, um „up to date“ zu sein, erfolgreich, wahrgenommen. Ich persönlich erlebe es bei meinen Söhnen allerdings so, dass sie die große Menge an Nachrichten, die z.B. auf WhatsApp eingehen eher stresst und sie als Gegenreaktion die App seltener öffnen. Oft werden auch Antworten erwartet, sonst sind die Verfasser der Nachrichten enttäuscht. Blöd ist, dass z.B. im Klassenchat auch Termine und Infos bekannt gegeben werden, die sie dann auch nicht mitbekommen. Wenn mein einer Sohn dann um 8h in der Schule ist, obwohl die ersten beiden Stunden ausfallen, was aber nur auf WhatsApp veröffentlicht wurde, dann sind da höchstens noch zwei bis drei weitere Mitschüler, denen es ähnlich erging. Ein blödes Gefühl also. Wenn man nicht innerlich stabil aufgestellt ist, fühlt man sich schnell allein. Was für ein Druck!  

Gibt es aus Ihrer Sicht eine Art Prävention vor „sozialen Medien“? Macht ein radikales „digital detoxen“ Sinn? Welche Rollen sollten Eltern und LehrerInnen spielen?  

Das ist für mich schwer zu beantworten. Ich versuche es mal. Zunächst finde ich, die beste Prävention ist ein echter, aufmerksamer Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. Sie sollten nicht am Computer oder Handy „abgestellt“ werden, damit man sich anderen Dingen widmen kann. Und ganz wichtig finde ich auch, die Kinder darin zu unterstützen, echte Fähigsten zu entwickeln, Sport zu treiben, ein Instrument zu lernen, Theater zu spielen oder zu tanzen etc.   

Stärkung durch Eltern, Freunde  und Lehrer  

Ich habe in einem Vortrag über Drogenprävention gehört, dass es viel leichter ist, eine Droge wieder aufzugeben, wenn man auf Fähigkeiten zurückgreifen kann, die man sich zuvor angeeignet hat. Daher ist der Entzug (auch von Medien) umso schwerer, desto früher jemand damit angefangen hat, also desto weniger Zeit er/sie hatte, Fähigkeiten zu entwickeln. Das leuchtet mir ein. In dem Vortrag wurde auch erwähnt, dass man das, was man durch eine Droge bekommen möchte genau das ist, was man tatsächlich einbüßt. Auf die „sozialen Medien“ bezogen, wäre das Kontakt oder Anerkennung. Man büßt wirklichen Kontakt ein und echte Anerkennung. Daher ist eine Stärkung der Persönlichkeit durch die Eltern und Lehrer auch eine Prävention. Mein Mann ist auch Lehrer, zum Glück Kunstlehrer. Da ist der Bewertungsspielraum etwas größer. Er versucht immer, das Positive in seinen Schüler*innen oder deren Arbeiten zu sehen. Der Blick auf den Mangel, die Defizite bringt meiner Meinung nach gar nichts. Es gibt einige Schüler*innen, die durch die Ermunterungen meines Mannes den Mut gefunden haben, sich auszuprobieren und einen künstlerischen Beruf zu ergreifen.   

 Eine handyfreie Schule – oder Medienkompetenz als Schulfach?  

Für mich persönlich macht eine handyfreie Schule Sinn, also ein Verbot, innerhalb des Schulgeländes sein Handy herauszuholen. Ich fürchte aber, dass das nicht an allen Schulen funktioniert. An der Waldorfschule meiner Kinder ist es so festgelegt worden. Das funktioniert natürlich nicht hundertprozentig, aber doch besser als ohne Verbot. Es gilt ja auch für alle Schüler*innen der Schule, bis zum Abschluss. Daher ist es in dieser Gemeinschaft (also alle Menschen einer Schule) normal und wird, soweit ich weiß, nicht in frage gestellt.  Wir hatten viele Elternabende zu dem Thema und die Meinungen gehen sehr auseinander. Ich für meinen Teil glaube, dass es unsinnig ist, Unterricht zu Medienkompetenz anzubieten, weil ich vermute, dass dabei viele Kinder und Jugendliche gerade erst auf den Geschmack kommen und noch mehr ausprobieren. Das Verbotene lockt und die Schüler hören vielleicht sogar von Mobbingformen, die sie noch  gar nicht kannten und wollen die dann ausprobieren.   Unstrittig finde ich, dass Eltern und Lehrer*innen Vorbildfunktion haben. Sie sollten also auf jeden Fall mit gutem Beispiel vorangehen, kein Handy im Unterricht nutzen und es beim gemeinsamen Mittagsmahl nicht auf den Tisch legen. Wenn Eltern zu Hause selbst viel am Computer und am Handy hängen, vielleicht auf Facebook oder Instagram unterwegs sind, dann ist die Hemmschwelle der Kinder natürlich gering. Dazu finde ich die freie Zeit, die Eltern mit ihren Kindern verbringen unglaublich wichtig. Da sollten alle „Gerätschaften“ Pause haben und die Aufmerksamkeit ganz beim Kind sein. Man sieht doch jetzt permanent Eltern, die auf Spielplätzen oder in Cafés oder in U-Bahnen auf ihre Handys starren, während ihr Kind daneben sitzt und wartet, bis Mama oder Papa endlich wieder ansprechbar sind. Ältere Kinder sehen selbst auf ihr eigenes Handy.  

 Also Eltern und Lehrer sollten unbedingt „digital detoxen“ und mit ihrer Aufmerksamkeit präsent beim Kind sein. Das ist bestimmt die beste Prävention. Und natürlich so lange wie möglich damit warten, dem Kind Zugang zum Internet zu verschaffen. Ist die Schleuse erstmal geöffnet kann man sie schwer wieder schließen. Es gibt auch einige Kontrollmöglichkeiten, die bei jüngeren Nutzern eingeführt werden können: Kinderschutz-Apps, Router-Einstellungen und ganz simpel: Alle legen ab x Uhr ihre Handys in einen Korb und da bleiben sie bis zum nächsten Tag. Denn ich habe gelesen, dass sehr viele Kinder und Jugendliche nachts immer wieder auf ihr Handy schauen. Oft wissen sie am nächsten Tag nichtmal, dass sie das gemacht haben. Das ist eine Konditionierung. Daher sollte das Handy auch nie den Wecker ersetzen und neben dem Bett platziert sein. 
 Wenn andererseits der Druck auf die Kinder zu hoch ist und permanent der moralische Zeigefinger erhoben wird, wird man die Kinder damit vielleicht in die Heimlichkeit treiben.  Es ist tatsächlich eine Gratwanderung.  
 Isis Mutter (in „Instagirl“) ist völlig überfordert mit der Veränderung ihrer Tochter, die gerade sehr rebellisch ist und sich von den Eltern (aufgrund der Trennung) hintergangen und alleingelassen fühlt. Ich denke, die Mutter hätte Isi noch nicht mit Paul, dem neuen Freund, überfordern sollen, sondern ihr erstmal Zeit geben sollen, die Trennung von ihrem geliebten Vater ein wenig zu verarbeiten. Sie hätte sich für Isi Zeit nehmen sollen. Hinzu kommt das Thema der Peergroup, bzw. der schicksalhaften Begegnungen. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Kim nicht bei Isi aufgetaucht wäre? Vielleicht hätte sie ihre Zeit weiterhin mit Yara verbracht und die Trauer anders verarbeiten können.  „Instagirl“ als Klassenlektüre und anschließende intensive Gespräche zu dem Theme können auch präventiv wirken;-) 

Soziale Netzwerke bedienen für viele Jugendliche hinsichtlich ihrer Selbstfindung die ständige Selbstbestätigung – das Leben in der eigenen Blase, die Lust am Like. Fehlt es nicht eigentlich auch an Reibung und Widerspruch? 


Das passiert ja in den Netzwerken auch, nur viel krasser als im realen Kontakt. Die Kinder und Jugendlichen trauen sich da viel fieser zu sein, denn sie müssen dabei ja niemandem in die Augen sehen und keine Traurigkeit oder Wut des Verunglimpften spüren. Das passiert ja höchstens über ein Medium dazwischen. Cybermobbing ist ja ein gigantisch großes Thema inzwischen, vor allem an Schulen. Was aber meist fehlt ist die gesunde Reibung, das ehrliche, vertrauliche Gespräch, das Maß in der Reaktion. Wenn alle mitlesen können will man der Freundin eher nicht widersprechen, obwohl es vielleicht die stimmigere Reaktion gewesen wäre.  

In Kims Welt gibt es nur die vielen Likes. Die Beleidigungen oder Anmachen blendet sie einfach aus. Was ihr nicht passt kann sie ja löschen. Zurück bleibt ein reines Bild wie aus der Zahnpastawerbung. In „Not your Girl“ erfährt man, wie traurig es bei Kim hinter dieser Fassade aussieht. Erst ehrliche reale Kontakte mit Mädchen, die ähnliches Leid erfahren haben wie Kim, lassen sie auftauen. Endlich fühlt sie sich angenommen und kann die „Verkleidung“ aufgeben. Und ihr Kontakt zur eigenen Intuition und Wahrheit, den sie aufgrund der Suche im Außen, in der virtuellen Welt, verloren hatte, wird wieder aktiviert.  Ich kann noch erwähnen, dass ich nun schon einige Lesungen in Schulen hatte und die Jugendlichen mir spiegeln, dass sie sich tatsächlich gesehen fühlen in „InstagirlI“. Sogar die Jungs sind meist eifrig dabei. Eine Lehrerin sagte nach der Lesung: „Ich habe 15 solcher Mädchen in der Klasse“. Viele Lehrer*innen haben sich aufgrund der Reaktionen ihrer Schüler und den Problemen mit dem Thema Medien dazu entschlossen, „Instagirl“ als Klassenlektüre zu nutzen.